Weshalb Gaming und Glaube für mich kein Widerspruch ist!

Kurz vorneweg

Videospiele sind in unserer heutigen Zeit so verbreitet, wie das Einkaufen im Supermarkt. Fast jeder tut es oder hat damit in irgendeiner Art und Weise zu tun. Auch als Christ kommst du nicht daran vorbei. Ob das kleine Handygame zum Zeitvertreib in der Bahn oder das kompetitive Online Spiel, in dem ich mich so hoch wie möglich ranken möchte. Von Candy Crush bis League of Legends ist da wahrscheinlich alles dabei. Doch wie sieht die Lage für Christen aus? Darf ich mich dem Vergnügen der Videospiele als Christ ergeben oder ist das Teufelswerk?

Zugegeben, ich bin Verfechter der These, dass ich als Christ mit gutem Gewissen zocken darf. Selbstverständlich gibt es Gefahren, Risiken und gute Gründe, warum ich nicht zocken sollte. Doch aus meiner Sicht sind die meisten gesellschaftlich, weltlicher Natur. Argumente wie Zeitverschwendung, Verdummung, Isolation usw. will ich an dieser Stelle nicht bewerten. Es soll im Fokus um die Frage gehen, ob ich als gläubiger Christ auch Gamer sein kann oder nicht.

Noch ein weiterer kurzer Disclaimer vorneweg: Ich werde mit Sicherheit nicht alle Argumente auf den Tisch legen können. Es ist, wie häufig in der Theologie, eine selektive Sichtweise, die ich so gut und verständlich wie möglich rüberbringen möchte. Lasst uns gerne in den Kommentaren darüber diskutieren.

Deine Gottesbeziehung und die Games

So, jetzt aber los. Gibt es denn überhaupt Gründe, weshalb Videospiele als Christ verboten sein sollten? Vielleicht wunderst du dich, dass man sich darüber überhaupt streiten kann. Deshalb lass mich direkt damit beginnen. Eine große Frage besteht darin: Bringen mich die (meistens nicht christlichen) Inhalte nicht weg von Jesus? Also behindern diese nicht meine Gottesbeziehung?

Ich will die Sorge zunächst würdigen, denn diese Frage muss man sich aus meiner Sicht immer wieder stellen. Aber hier kommt auch schon mein Einwand. Diese Frage muss ich mir im Prinzip bei allem stellen, was ich so tue. Bei jedem Hobby kann ich mir die Frage stellen, ob es mich von Jesus weg bringt oder zu ihm hin zieht. In der Bibel heißt es:

„Wo mein Herz ist, da wird auch mein Schatz sein“

Die Bibel – Lukas 12,43

Im Kontext dieser Stelle geht es in erster Linie um den Reichtum eines Kornbauern, aber kann man das auch gut auf vieles anderes anwenden. Wo ist denn mein Herz? Bei Jesus oder beim Videospiel? Weiter unten heißt es, dass wir nicht zwei Herren dienen können. Entweder Gott oder dem Mammon. Stellt uns Jesus also vor die Wahl? Er oder das Videospiel?

Ich will dich etwas fragen: Verzichtest du auf dein Geld? Ich meine nicht, ob du auf Reichtum verzichtest, sondern auf das Konzept Währung. Wahrscheinlich nicht. Und trotzdem kannst du gläubiger Christ sein, nicht wahr? So ähnlich will ich es auch mit Videospielen vergleichen. Nur weil ich zocke heißt es noch lange nicht, dass es nichts anderes in meinem Leben gibt.

Ja, Gaming kann zum Götzen werden. Damit meine ich, dass es mich gefangen nehmen kann und mein Handeln bestimmen kann. Gaming kann dafür sorgen, dass ich mich davon abhängig mache und mein Lebensalltag daran ausrichte. Gaming muss aber nicht zum Götzen werden. Genauso, wie ich kontrolliert mit Geld umgehen kann, kann ich kontrolliert mit Spielen umgehen. Es ist eine Frage der Einstellung.

Die Liebe beim Spiel

Vielleicht helfen dir ja ein paar Kontrollfragen. Jesus gibt uns ein Doppelgebot der Liebe mit auf den Weg. Ich würde sogar sagen, es ist eine Art Dreifachgebot:

„Darum sollst du den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzem Verstand und mit aller Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Die Bibel – Matthäus 22, 37.39

Nach Jesus ist dieses Dreifachgebot der Liebe eine der zentralsten Stellen, wenn es darum geht Gottes Willen zu tun. Deshalb frage ich mich gerne selbst beim Zocken, ob diese Dinge noch vorhanden sind:

  • Kann ich beim Zocken Gott lieben?
    Schäme ich mich dafür, dieses Spiel zu spielen und zu beten?
    Kann ich Gott loben für das, was ich gerade im Spiel tue?
    Lerne ich vielleicht etwas über meine Gottesbeziehung?
  • Kann ich beim Zocken meine Mitmenschen lieben?
    Wenn ich online bin: Flame ich meine Mitspieler, wenn sie versagen?
    Kann ich freundlich bleiben? Lobe ich sogar meine Mitspieler?
    Beeinflusst das Spiel meine Beziehung zu meinen Mitmenschen negativ oder positiv?
  • Kann ich beim Zocken mich selbst lieben?
    Entdecke ich neue Gaben oder Interessen?
    Macht mich das Spiel depressiv oder sorgt anderweitig für negative Stimmung?
    Bin ich nach dem zocken gut gelaunt oder aggressiv?

Diese Fragen dienen vielleicht nur als kleine Auswahl. Aus meiner Erfahrung kann ich meistens viele Fragen positiv beantworten. Solltest du auf eine deutlich negative Ausbeute kommen, dann überdenke zum Beispiel deine Spielauswahl.

Nichtchristliche Inhalte

Das bringt mich zum zweiten Teil der kritischen Anfrage: Wie sieht es mit den nicht christlichen Inhalten aus? Darf man das als Christ in Videospielen? Gegen Dämonen kämpfen, in Fantasy Welten herumspazieren, für fremde Götter in Spielen kämpfen, virtuelle Charaktere töten und vieles mehr? Alles davon könnte ein eigener Blogeintrag wert sein. Deshalb bleibe ich erstmal allgemeiner:

Wir leben seid Adam und Eva in einer gefallenen Welt. Was meine ich damit? Nichts ist perfekt, vieles ist sündhaft, Menschen entscheiden sich gegen Jesus und wir kommen an Weltlichem einfach nicht vorbei. In unserem Alltag begegnen wir unausweichlich weltlicher Werbung mit aufreizenden Frauen oder Männern. Wir sind ständig weltlichem, philosophischem Gedankengut ausgesetzt und wer so auf sehr auf seinen Elfenbeinturm besteht, der darf an Weihnachten auch keinen Weihnachtsbaum mehr in die Wohnung stellen. Denn auch dieser stammt aus heidnischem Brauchtum.

Ich will damit nur sagen: Wir kommen daran nicht vorbei. Ich will nicht sagen, dass alles davon gut ist. Vieles davon sehe ich kritisch. Doch ich denke, dass wir uns damit auseinandersetzen müssen. Kritisches Reflektieren von Inhalten in Spielen gehört für mich zum Vergnügen eines Videospiels dazu. Ich bewerte ständig, was mir in der virtuellen Welt begegnet. Es ist nicht die Aufgabe des Videospiels mir reine christliche Theologie zu servieren, die es so auch überhaupt nicht gibt. Vielmehr sollten wir in unseren Gemeinden und Jugendarbeiten die Gamer stark machen zu reflektieren, zu unterscheiden und zu bewerten.

Dann bin ich mir sogar sicher, dass Videospiele für Christen in aller Regel nicht nur ungefährlich sind, sondern sogar dazu beitragen können einen festen Glauben zu entwickeln. Wenn mündige Christen zocken, dann können sie einordnen, was ihnen begegnet. Und manchmal muss man bei einem Spiel auch sagen: Nein, das zocke ich nicht, das tut mir nicht gut.

Bringen mich die oft unchristlichen Inhalte also von Jesus weg? Nein, nicht zwangsläufig. Wenn mein Glaube nicht fest ist, dann kann das vielleicht passieren. Dann passiert das aber auch beim Gespräch mit einem guten nichtchristlichen Freund. Deine Gottesbeziehung ist zunächst unabhängig vom konsumieren von Videospielen. Da wir an nichtchristlichen Inhalten nicht vorbei kommen ist es aus meiner Sicht umso wichtiger einen guten Umgang damit zu finden anstatt sie zu meiden.

Positive Aspekte

Ich will aber nicht nur im negativen bleiben. Ich will dir noch drei Gründe nennen, warum ich gerne zocke und Videospiele als Christ nichts „Schlimmes“ sind. Die drei Punkte kann ich auch auf andere Unterhaltungsformen anwenden, aber eben auch auf das Spielen

1. Games sind Form von Unterhaltung und von Freude

Ist es als Christ erlaubt sich unterhalten zu lassen? Ich sage klar JA. Als Genussmittel trägt Gaming zur Freude bei und Gott gibt gerne. Er ist der gute Hirte, der sich um seine Schafe sorgt. Er will uns ein „Leben in ganzer Fülle“ (Joh. 10,10) schenken. Ich finde keine Stelle in der Bibel, die Gott als Spaßbremse darstellt, der uns quälen will und uns gerne Leiden sieht. Ich will nicht sagen, dass wir als Christen die glücklichsten Menschen sein müssen, doch passt ein Zitat eines bekannten Philosophen ganz gut dazu:

„Erlöster müssten mir die Christen aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“

Friedrich Wilhelm Nietzsche

Als Religionskritiker hat Nietzsche eines erkannt, was viele Christen nicht zu erkennen wagen: Christ sein darf Freude machen. Es darf uns erlösen. Ich möchte es mit dem Geschenk eines Vaters zu seinem Kind vergleichen. Der Vater setzt dem Kind das Geschenk ja nicht vor die Füße und sagt zu ihm, er könne es gerne anschauen, aber spielen dürfe es damit nicht. Wer die Freude an Unterhaltung (Filme, Serien, Bücher, Sport, usw.) ablehnt, der lehnt auch einen gönnerhaften Gott ab.

2. Jesus selbst war ein Genießer des Lebens

Eines der schönsten Beispiele für diese Aussage ist die Hochzeit zu Kanaan aus Johannes 2,1-11. Jesus verwandelt Wasser in Wein. Zu welchem Zweck? Wollte er damit ein Gleichnis erzählen? Wollte er die Pharisäer von einem gewissen Punkt überzeugen? Hatte er eine verletzte oder kranke Person damit geheilt? Nein. Er tat es, damit die Menschen weiterhin Freude am Fest haben konnten. Der Zweck des Wunders war die Fortsetzung der Feier. Nichts weiter.

Lesen wir die vier Evangelien des Neuen Testaments, dann sehen wir immer wieder, mit welchem Menschenschlag sich Jesus abgibt. Es sind die einfachen Leute. Fischer, Bauern, Sünder. Vom Establishment der damaligen Zeit, den Pharisäern und Schriftgelehrten wird es deshalb beschimpft. Er wird als Fresser, Weinsäufer und Freund der Sünder bezeichnet (Mt. 11,19). Er war auf jeden Fall kein Asket, der die Freuden des Lebens gemieden hatte. Im Gegenteil.

Ich kann es natürlich nicht mit Sicherheit sagen, doch könnte ich mir eines gut vorstellen: Jesus würde sich heute mit einem Controller in der Hand neben mich setzen, in die Tüte Chips greifen, ein Stück Pizza nehmen und mit mir eine Runde mein Lieblingsspiel zocken. Dabei würden wir eine richtig gute Zeit zusammen haben.

3. Mit Gaming die Schöpfung und den Schöpfer ehren

Ok, dieser Punkt klingt vielleicht erstmal etwas skurril. Videospiele sind doch kein Gebirge und auch kein Strand. Das ist doch keine Natur? Was hat das denn mit Schöpfung zu tun?

Kurz: Games sind genauso Teil der Schöpfung wie alles andere. Ein Videospiel ist das Ergebnis eines langen kreativen Prozesses. Videospiele sind im Prinzip nichts anderes als Kunstwerke. Ja, erschaffen von Menschen, doch ich kann darin auch eine Schöpfung Gottes erkennen.

Lass mich bei dem Vergleich mit einem Kunstwerk bleiben. Ich kann mich in ein Museum stellen und Gott für die Faszination danken, die mir dort ins Auge sticht. Genauso gilt mein Dank dem Künstler, den Gott wunderbar gemacht und begabt hat. Ich kann ich einer alten Kathedrale stehen und Gott für dieses Bauwerk danken. Für die Meisterleistung eines Architekten, der sich das ausgedacht hat. Ich kann Gott für die Symphonie eines Musikstückes danken. Für den Musiker, der erstklassige Gitarrenriffs spielt oder für den Songwriter, der sich die Texte ausgedacht hat. Und ich kann Gott genauso für ein Videospiel danken. Für jeden Moment, den ich dort erlebe. Für die Entwickler, die sich die Spiele in Jahrelanger Arbeit ausgedacht haben.

Videospiele sind Teil der Schöpfung. Teil dieser Welt. Ich will sie als solches wertschätzen, weil jedes Spiel aus dem Kopf eines oder mehrerer Menschen entspringt. Und Gott hat diesen Menschen begabt.

Wie gesagt, es ist bestimmt noch nicht alles dazu gesagt. Du wirst vielleicht weiterhin Bedenken haben. Lass uns doch darüber ins Gespräch kommen und in den Kommentaren diskutieren. Mich würde interessieren, weshalb für dich Christ sein und Videospiele nicht zusammenpassen. Oder du hast noch weitere gute Gründe, weshalb man als Christ mit gutem Gewissen zocken kann.

Schreib mir auch gerne, welche Themen dich interessieren würden. Vielleicht gibt es dazu dann einen nächsten Blog, bzw. ein nächstes Video.