Als Christ in Videospielen töten. Darf man das?

Vorneweg

Counterstrike, Battlefield und Call of Duty. Elder Scrolls, Dragon Age, Assasins Creed und Co. Ja, selbst in Super Mario, Anno, Siedler usw. töten wir Menschen oder andere Lebewesen. Geht das klar, als Christ in Videospielen zu töten? Dieser Frage gehen wir heute nach und ich hab drei Punkte für euch mitgebracht.

Zuerst aber kurz der Dank an den User Drexel, der unter das Video des letzten Beitrags folgendes geschrieben hatte:

„Das naheliegendste ist doch erstmal das Thema Töten, was ja schon relativ unchristlich ist, aber in fast allen Spielen präsent ist, egal ob beim Shooter wo es Primärziel ist, vermeintlich friedliche Strategiespiele wie Siedler oder Anno, wo es am Ende aber auch darauf hinausläuft oder „Kinderkram“ wie Super Mario, wo ja auch Gumbas und Koopas auf den Sack bekommen.“

Drexel (Kommentar aus YouTube)

Biblische Grundlage

Für eine gute Grundlage schauen wir mal in die Bibel rein. Da finde ich zwei wichtige Stellen. 2. Mose 20, 13 finden wir das alttestamentliche Gebot: „Du sollst nicht Töten“. Es steht im Zusammenhang mit den restlichen 10 Geboten, die Mose als erste Gesetzgebung für das Volk Israel erhalten hatte.

Die zweite Stelle finden wir im neuen Testament. Jesus spricht hier zu seinen Jüngern (also seinen engsten Begleitern). Doch gleichzeitig kommen hunderte, wenn nicht tausende Menschen hinzu, die ebenfalls hören, was er sagt.

„Ihr wisst, dass unseren Vorfahren gesagt worden ist: Du sollst nicht morden! Und: Wer einen Mord begeht, der gehört vor Gericht. Ich sage euch aber: Schon wer auf seinen Bruder oder seine Schwester wütend ist, gehört vor Gericht. Wer zu seinem Bruder oder seiner Schwester „Dummkopf“ sagt, gehört vor den jüdischen Rat. Wer „Idiot“ sagt, der gehört ins Feuer der Hölle.“

Die Bibel – Matthäus 5,21-22

1 – Im Videospiel töten wir virtuelle Charaktere

Klar, das 5. Gebot ist klar und deutlich: Du sollst nicht töten. Und das wird jedem von uns klar sein. Keiner, weder Christen noch Nichtchristen, würden mit gesundem Menschenverstand auf die Idee kommen, das Töten eine legitime und gute Tat wäre. Es geht hier aber in erster Linie um das Töten realer Menschen. Nicht um das Töten virtueller Menschen oder Lebewesen. Das einzige was ich zerstöre sind ein paar Bits und Bytes auf meinem Rechner. Nach dem alttestamentlichen 5. Gebot ist das Töten als Christ in Videospielen also nicht das Problem.

Man könnte argumentieren: Das virtuelle Töten sei ja nur eine Vorstufe und man stumpfe dadurch ab. Doch das ist ein ziemlich schwaches Argument und hat erstmal nichts mit dem Gebot der Bibel zu tun. Gerade wenn es um Spiele geht, wo Vordergründig nicht das Töten das Ziel ist, verblasst die Argumentation. Ich meine hier Strategiespiele wie Anno oder andere Rollenspiele.

Aber was ist mit Shootern? Dort ist doch das ausgemacht Ziel das Töten? Ja und Nein. Im Multiplayer steht ebenfalls Taktik und Strategie an oberster Stelle. Und übrigens wird man genauso wenig zur Tötungsmaschine durch Counterstrike wie zum Fußballprofi durch Fifa.

Für mich steht also fest: Virtuelles Töten können wir nicht gleichsetzen mit echtem Töten, weshalb für mich das Gebot für das Umbringen von Spielcharakteren erstmal kein Grund ist, das Spiel als Christ nicht zu spielen.

2 – Das Bonhoeffer Dilemma

Die moralische Frage kann man sich aber dennoch stellen. Aus welchem Grund verlangt das Spiel von mir das Töten eines Charakters? In den allermeisten Fällen sind wir der gute Held, der das Böse besiegen muss. Gut, ich weiß, so schwarz/ weiß sind die Geschichten heutzutage auch nicht mehr immer, aber wir fühlen uns doch stets der guten Sache verpflichtet. Es gibt einen Schurken, der die Welt beherrschen will oder zumindest unserer Familie etwas antun möchte.

Ein Dilemma, das erstmal gar nichts mit christlichem Glauben zu tun hat: Darf ich jemanden töten um jemand anderen zu retten? Schieße ich das Flugzeug ab, das gerade in eine Menschenmasse fliegt? Darf ich in Notwehr töten um meine Familie vor einem Serienkiller zu schützen? Oder um die Frage von Bonhoeffer zu fragen: Ist es in Ordnung Adolf Hitler mithilfe eines Anschlags zu töten, obwohl die Bibel das Töten anderer verurteilt?

Bonhoeffer entscheidet sich für Ja. Denn er macht sich auch anders schuldig. Wenn er nichts tut, dann ist er ebenfalls schuldig am Tod Millionen von Menschen.

Ich gehe in diesen Exkurs von Moral, weil wir auch bei Videospielen häufig dieses Szenario haben. Als guter Held versuchen wir das Böse zu stoppen. Den Tyrannen zu Fall zu bringen und die Welt vom Elend zu befreien. Ist das Töten in einem Spiel reiner Selbstzweck, empfinde ich das Spiel persönlich als geschmacklos. Ich lege es beiseite. Nicht, weil ich denke, dass ich als Christ in Videospielen nicht töten darf. Eher, weil mir das Spiel nichts beibringen kann, was für mich von Nutzen wäre.

Mit diesem Punkt will ich sogar sagen, dass eine gewisse Reflexion in Videospielen dazu führen kann, dass selbst bösartige Taten wie das Töten gewisse Denkanstöße voranbringen kann. Moral ist nicht immer einfach und in den seltensten Fällen schwarz/ weiß. Lasst uns also lernen, anstatt zu verteufeln.

3 – Mit Worten töten

Am spannendsten finde ich die Verschärfung des 5. Gebots, die Jesus in seiner Bergpredigt vornimmt. Dort wird für mich als Christ das Gebot „Nicht töten“ im Zuge von Videospielen auch wirklich relevant. Lasst uns nicht mit dämlichen Fragen herumschlagen, ob wir in einem Spiel virtuelle Personen töten dürfen. Jesus sagt hier etwas viel spannenderes. Nicht das reine Töten bringt dich zu Fall, sondern schon allein der Gedanke daran. Schon die Missgunst gegenüber einem Mitmenschen.

Das geht jetzt vor allem an alle Leute, die im Multiplayer Online oder auf der Couch zocken. Wie gehe ich mit Teammates um, die mich gerade hart abfucken? Wie begegne ich meinem Gegner, der mich auf der Lane immer und immer wieder killt? Der Noob im Team, der mir schon wieder das Ranked versaut?

Wie viel Hass kommt da in mir hoch? Welche Beleidigungen schreibe ich in den Chat? Jesus spricht genau davon. Töten fängt mit meiner Herzenshaltung an.

Und bevor jetzt jemand meint, dann müssten wir diese Spiele verbieten: Du hast leider gar nichts verstanden. Zorn und Wut ist menschlich. Den habe ich auch im Straßenverkehr, wenn der Typ vor mir bei Grün nicht losfährt. Den habe ich im Fußballstadion, den habe ich in meiner Familie. Überall. Keiner ist frei davon.

Dort übertreten wir das Tötungsverbot tatsächlich. Jesus spricht direkt im Anschluss davon, dass man sich versöhnen soll. Dass wir also wütend werden ist menschlich. Was ich mir aber für uns Christen wünsche: Am besten eskalieren wir erst gar nicht. Und wenn es doch passiert, dann können wir auch Größe beweisen. Sich entschuldigen. Eine Versöhnung anstreben. Das sieht man wirklich selten online.

Zusammenfassung:

Als Christ in Videospielen töten verstößt aus meiner Sicht nicht gegen das 5. Gebot aus dem alten Testament. Gerade in den epischen Erzählungen erleben wir sogar das Dilemma, das auch Bonhoeffer hatte: Lieber einen Tyrannen töten, bevor dieser weiterhin wütet und tötet.

Wo wir das Gebot tatsächlich übertreten lesen wir in der Verschärfung Jesu in der Bergpredigt. Denn schon das Beleidigen und hassen anderer legt er als töten aus. Und das passiert Online nicht gerade selten.


Wie gewohnt, lass gerne einen Kommentar da. Was macht das Töten in Videospielen mit dir? Was sind Themen, die dich vielleicht sonst noch interessieren, wo die christliche Welt die Gamingwelt trifft?